Beitrag WirtschaftsWoche: "Das macht doch Spaß!" – Leistungsbereitschaft Deutschland
- Ingo Hamm
- vor 2 Tagen
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Wir reden über das falsche Leistungs-Problem.
Deutschland diskutiert über mangelnde Leistungsbereitschaft. Der Kanzler ruft zu mehr Anstrengung auf. Manager rechnen vor, wie viel öfter deutsche Angestellte fehlen als anderswo. Und das Ergebnis dieser Appelle? Nichts. Null. Schulterzucken.
Das ist auch der Befund des aktuellen Artikels "Das macht doch Spaß" von in der WirtschaftsWoche, für den Katja Scherer Prof. Dr. Ingo Hamm interviewt hat und er einige Thesen beigesteuert hat.
Die Wahrheit ist nämlich unbequemer, als es Bühnenreden suggerieren: 63 % der Berufstätigen fühlen sich abends erschöpft. Es ist nicht so, dass die Menschen nicht arbeiten wollen. Sie arbeiten im Job nur an Dingen, die sich nicht mehr nach Wirkung anfühlen. Und nach dem Job entstehen manchmal ungeahnte Leistungen (worüber sich dann viele Chefs wundern und manchmal auch beschweren).
"Das Erleben der eigenen Wirksamkeit ist ein Urantrieb für Menschen."
Das ist keine kuschelige Motivationsformel. Das ist Anthropologie. Schon Kleinkinder ziehen tiefe Befriedigung daraus, mit ihrem Handeln die Welt zu verändern. Dieser Antrieb verschwindet nie. Er wird in vielen Jobs nur systematisch zugeschüttet.
Was also wäre zu tun? Drei unbequeme Wahrheiten:
1. Hört auf, alles zu vermessen.
Aufzudröseln, wer pro Woche die meisten Telefonate geführt oder die meisten Tickets geschlossen hat, sorgt eher für Druck als für Leistung. Es geht nicht darum, Wirksamkeit zu zählen. Es geht darum, sie erlebbar zu machen.
2. Hört auf mit den banalen Visionen.
„Wir bauen Maschinen" ist keine Vision. Das ist eine Tätigkeitsbeschreibung. „Wir bauen die besten Maschinen Europas" – das zieht. Menschen legen sich für eine Sache ins Zeug, wenn es sie Stolz macht (und dafür braucht man nicht gleich die Welt retten, schönen Gruß an die Purpose-Apologeten).
3. Hört auf mit den Vergleichen.
„Vergleiche verhindern die Freude an der Leistung."
Das ist vielleicht meine unbequemste These. „Mitarbeiter des Monats", Leistungsrankings, interne Bestenlisten – sie demotivieren mehr Menschen, als sie anspornen. Sie lenken davon ab, sich eigene Ziele zu setzen und mit Leidenschaft zu verfolgen. Nur, wer sich erst einmal seiner eigenen Selbstwirksamkeit und Leistung bewusst ist, kann dann auch bzw. nur noch im Team eine Schippe drauflegen. Dann kann ein Team schon motivieren und noch mehr mobilisieren, siehe etwa Leistungssport.
Mangelnde Leistungsbereitschaft in Deutschland?
Und ja – auch die Diskussion um Homeoffice gehört auf diesen Prüfstand. Drei Bürotage pro Woche sind kein Kontrollinstrument. Sie sind die Voraussetzung dafür, zu wissen, was den Kollegen umtreibt, was die Kollegin auf dem Tisch hat – und gemeinsam Erfolge zu feiern. Wer das nicht erklären kann, sollte die Regel nicht erlassen.
Menschen sind keine Hamster. Sie wollen wirken. Sie wollen sehen, dass es einen Unterschied macht, dass es sie gibt. Wer Führung ernst nimmt, baut keine schnelleren Räder. Er baut Wege.




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