Sind wir Freunde? – Podcast „dürfen die das?“
Wie beeinflussen Influencer unser Kaufverhalten, und sind wir mit ihnen am Ende alle befreundet? In der ersten Folge der Staffel „Para, Sozial“ des Podcasts „dürfen die das?“ der Verbraucherzentrale Berlin geht Yasmin Polat parasozialen Beziehungen auf den Grund. Als Interviewgast erkläre ich, warum wir überhaupt kaufen und wie Influencing psychologisch funktioniert. Weitere Gäste sind Markus Kamrad, Vorstand der Verbraucherzentrale Berlin, die Kommunikationswissenschaftlerin Dr. Zoe Olbermann und die Marketingprofessorin Prof. Dr. Kristina Klein.
Meine Kernaussage
Influencing nutzt ein uraltes soziales Programm: Wir schauen zu Menschen auf, deren Leben uns erstrebenswert erscheint, und kaufen, um unsere Position auf der Statusleiter zu spüren oder um uns selbst zu verbessern. Influencer müssen dafür gar nicht so sein wie wir, ihre Welt darf ruhig unerreichbar wirken. Nähe entsteht dadurch, dass ich mich persönlich angesprochen fühle, Glaubwürdigkeit durch echte Fachkenntnis. Wer diese Mechanismen versteht, braucht weder fundamentale Konsumkritik noch ein Verkäufercredo, sondern kann sich vernünftig selbst reflektieren.
Worüber wir sprechen
Warum wir kaufen: Kaufen ist kulturhistorisch eine Folge der Arbeitsteilung und völlig legitim. Psychologisch interessant wird es bei Dingen, die wir nicht wirklich brauchen. Dann wirken vor allem zwei Motive: Status, also unsere Position auf der sozialen Leiter, und der Wunsch, uns selbst zu erweitern und besser zu werden.
Dauerbeschallung: Unsere Aufnahmefähigkeit ist begrenzt. Mit dem Smartphone kam die Dauerbeschallung, für die gerade Kinder und Jugendliche besonders empfindlich sind. Zugleich stößt die Werbung an Sättigungsgrenzen, daher der Gegentrend zu Micro-Influencern.
Larger than Life: Aus der Werbepsychologie ist bekannt, dass Vorbilder nicht zu nah an der eigenen Lebenswelt sein sollten. Ein bisschen Übertreibung gehört dazu, denn wir suchen jemanden, zu dem wir aufschauen können.
Authentizität: Sie entsteht weniger durch Ähnlichkeit als durch direkte Ansprache und durch inhaltliche Expertise. Genau dorthin bewegt sich das Micro-Influencing: wenige Follower, aber echte Spezialisten.




Kommentare